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 Stories of my life (Mia)

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Mia Elisabeth Schneider

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Anzahl der Beiträge : 166
Anmeldedatum : 09.08.12

BeitragThema: Stories of my life (Mia)   Sa Aug 25, 2012 12:55 am

Ich schreibe manchmal Geschichten und dachte ich poste hier mal die ein oder andere. Vermutlich eher die kurzen und nicht die halb fertigen Romane. Kritik und Lob sind gern willkommen Very Happy
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Mia Elisabeth Schneider

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Anzahl der Beiträge : 166
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BeitragThema: Re: Stories of my life (Mia)   Sa Aug 25, 2012 1:00 am

Wie Muscheln im Sand

Vorsichtig strich ich über den Stoff meines Kleides. Es war das Beste, was ich je getragen hatte. Noch nie zuvor hatten wir uns etwas leisten können, das so teuer war wie dieses Kleid.
Der traurige Anlass, zu dem ich es trug, dämpfte meine Freude darüber.
Ich schaute in den Spiegel, der direkt an neben meinem Schrank an der Wand hing.
Schwarz!
Alles an mir war schwarz. Die Schuhe, das Kleid, sogar meine Haare wirkten dunkler als sonst. Aber ich sollte nicht lügen, es gab etwas, dass nicht schwarz war, und das waren meine Augen. Meine roten, verquollenen Augen, die in den letzten Tagen so viel geweint hatten, dass ich das Gefühl hatte, ich würde austrocknen. Doch wie sollte ich auch nicht weinen, wenn mir doch ein großer Teil meines Herzens mit einem Schlag herausgerissen wurde? Alles, was ich sagen konnte, wie es sich anfühlte, klang unwirklich, da es schon tausendmal gesagt worden war. Jeder Satz von einer Leere im Herzen war in Tausenden von Filmen gebraucht und unehrlich geworden.
Schon wieder lief eine Träne über meine Wange, doch ich starrte nur in den Spiegel, als könnte ich sein Gesicht darin erblicken, wenn ich nur genau genug hinschaute.
Wie oft hatte ich hier gestanden und ihn gefragt, was er von meiner Kleidung hielt. Wie oft hatte er einfach nur auf meinem Sofa gesessen und über meine Eigenkritik gelacht. „Du bist nicht zu dick.“ Diesen Satz musste er regelmäßig sagen, und jedes Mal hatte er gelacht und auf seinen Bauch gezeigt. „Solange ich dicker bin als du brauchst du dir keine Gedanken zu machen.“ Doch er war nicht dick gewesen. Er hatte nur etwas Bauch. Wer würde es nun zu mir sagen und mich wieder zum Lächeln bringen?
„Nun komm schon, Mariella. Wir kommen noch zu spät.“, meine Mutter lief hektisch auf und ab.
Konnte man zum zweiten Mal zu spät sein? Machte es einen Unterschied, ob man zu spät zu einer Beerdigung kam oder nicht? Das Ereignis war doch schon geschehen, und ich war zu spät gewesen. Ich war nicht da gewesen, als er gestoßen wurde, ich war nicht diejenige, die den Krankenwagen gerufen hatte und ich war nicht die, die neben ihm gesessen hatte und seine Hand gehalten hatte. Ich hatte zuhause gelegen und gelesen. Ein Buch, das er mir gegeben hatte. Ein Buch, das ich ihm nie wieder zurückgeben konnte.
„Mariella!“, die Stimme meiner Mutter wurde lauter.
Immer noch starrte ich in meine eigenen ausdruckslosen Augen. Selbst der Schmerz, den man darin gesehen hatte, war verblasst. Nicht, weil er nicht mehr da war, sondern weil ich ihn in mich schob. Ich versuchte ihn zu vergraben unter den schönen Erinnerungen an ihn. Doch immer wieder wischten die Tränen den Schmerz frei, wie das Meer, das den Sand von vergrabenen Muscheln spülte. Eine Sache würde nie wieder das Tageslicht sehen, egal wie viele Wellen darüber rauschten, und das war er. Wenn ich gleich seinen Körper sehen würde, wie er in diesem Kasten lag. Danach würde man ihn zudecken, den Kasten verscharren, und nur ein toter Stein würde an ihn erinnern. Ein Stein - So tot wie er.
„Mariella!“ Nun stürmte sie in mein Zimmer und riss an meinem Arm. Sie zog mich hinter sich her, doch mein Blick galt unentwegt dem Spiegel. Wie sollte ich ohne ihn je wieder lachen, je wieder ruhig einschlafen? Er hatte immer gesagt, dass ich so friedlich aussähe beim Schlafen. Tat ich das auch noch, wenn ich mich in die traumlosen Nächte weinte?
Noch bevor ich recht wusste, was mit mir geschah, hatte meine Mutter mir eine Jacke umgelegt und mich ins Auto gesetzt. Die Fahrt war kurz, und viel zu oft stand auf den Schildern das Wort „Friedhof“, das mir jedes Mal, wenn ich es las, die Tränen in die Augen trieb.
Was würde er an meiner Stelle tun? Ich konnte es nicht sagen. Er hatte mich immer überrascht. Nie hatte er das getan, was ich erwartet hatte, doch all das war vorbei.
„Das Leben geht weiter.“ Wie oft hatte ich mir den Satz anhören müssen? Er stimmte auch, das Leben geht immer weiter. Ohne ihn. Ohne mich?
Dann saß ich auch schon in der kleinen Kapelle. Mein Blick wurde von dem Holzkasten, der schon verschlossen in der Mitte stand, angezogen. Ich wusste, dass meine Wimperntusche verschmierte, aber ich hielt die Tränen nicht auf. Tonlos liefen sie über meine Wangen, obwohl jede mit so viel Schmerz gefüllt war, dass ich fast erwartet hätte, dass sie schreien würden.
Unterdrücktes Husten, leises Gemurmel, Schritte. Ein Mann in schwarz, ein Pastor. Viel mehr realisierte ich nicht. Ich stellte mir vor, wie er leblos in der Kiste lag. Seine Haut so blass wie das Papier, auf das er so viel geschrieben hatte.
Dann gingen alle. Ich, weit vorne bei seiner Familie. Grüne Schleier zogen an mir vorbei. Bäume, Sträucher, Blumen. Meine Beine wurden mit jedem Schritt schwerer. Vor mir die Kiste. Die Kiste, in der er liegen sollte. Ich konnte es nicht glauben. Ich wollte es nicht. Wollte nicht wissen, dass sie ihn gleich verscharren würden unter der Erde. Doch ich brauchte es mir nicht vorzustellen, denn es war unaufhaltsam. Langsam versank die Kiste in dem Loch, das sie für ihn gegraben hatten.
Der Pastor verschwamm mit dem Erdhaufen, der neben dem Loch lag, zu einem einheitlichen Dreckfleck.
„Er wird immer in uns weiterleben.“
Wird er das? Ich trat an den Rand des Grabes. Das Kreuz mit seinem Namen stand schon dahinter, als habe es nur darauf gewartet, dass er endlich zu ihm kommt. Meine Hände zitterten. Von einem Kranz lächelte er mir zu. Sein Bild; das Bild, das ich gemacht hatte. Ich sah nichts mehr. Spürte nur noch. Die Kälte, den Schmerz, die Trauer. Ich schloss die Augen. Hörte das Murmeln der Anderen, das Rauschen des Windes, doch kein Vogelgesang. Alle schienen zu schweigen, um an ihn zu denken, wenn die Menschen es schon nicht taten.
Als ich die Augen wieder öffnete verstärkte sich der Schmerz. Er zwang mich in die Knie. Niemand hinderte mich, niemand versuchte mich aufzufangen. Ich kniete dort vor dem Grab meines besten Freundes, und ich wusste nicht, ob ich je die Kraft finden würde, wieder aufzustehen. Mein Blick ruhte auf dem Kreuz, das nun mahnend und bedrohlich vor mir stand, und ich stellte mir eine Frage.
Wie lange würde es dauern, bis ein ähnliches Kreuz meinen Tod verkündete?


Von
Natalie alias Mia Elisabeth Schneider
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